Deutschland ist eines der letzten Länder in denen Studiert werden kann, ohne dafür merklich bezahlen zu müssen. Bezahlt wird dafür selbstverständlich, nur im Moment von allen, von Bäcker und Busfahrer bis hin zu den Eltern der Studierenden. Wer eine Ausbildung als Automechaniker machen möchte, muß einen Betrieb finden, der ihm die Ausbildung finanziert, ihn als Lehrling annimmt. Wer sich in einer Sprachschule für Übersetzer diesen Beruf erlernen möchte, zahlt teure Gebühren. Warum sollte es für Wissenschaftler, Ärzte und Rechtsanwälte anders sein? Jeder, der eine (Aus)Bildung wünscht, die über das hinausgeht, was ihm als Menschenrecht zusteht (12 Jahre Schule reichen dazu allemal aus), muß sich selbst dafür einsetzen. Es ist einfach nicht fair der Strumpfhosenverkäuferin im Kaufhaus zuzumuten, deine Ausbildung zu bezahlen!

“Einem geschenkten Gaul schaut man nichts ins Maul.” Und weil die Hochschulausbildung in Deutschland anscheinend kostenlos ist, veranstaltet kein Student eine Demo, weil die Hörsäle überfüllt sind oder der Professor für seine 150 Studenten nur schlecht zu erreichen ist. Plichtpraktikumsplätze sind in vielen Studiengängen schwer zu kriegen. Kaum ein Professor kümmert sich wirklich und wenn eine Vorlesung schlecht ist, dann ist das halt so. Dagegen Demonstrieren tut kein Student. Blecht der Student aber jedes Semester einen nicht unerheblichen Betrag, so wird er beim Dekan auf der Matte stehen, sobald das Studium nicht in der anvisierten Zeit zu Ende gebracht werden kann oder die Vorlesung die Inhalte schlecht vermittelt. Es wird Zeit das Studium nicht als Geschenk anzusehen, sondern als Investition. Die universitäre Ausbildung kann nur besser werden.

Der finanzielle Druck wird helfen die Universität von Langzeitstudenten, Fachwechselspezialisten und orientierungslosen Ahnungslosen zu befreien. Nirgendwo wird länger Studiert. Nirgendwo werden so viele Studiengänge abgebrochen und nirgendswo gibt es so viele arbeitslose Akademiker. Studenten müssen in Zukunft wissen, was sie wollen, wohin sie wollen und ob sie es schaffen können. Sie müssen sich vorher überlegen, ob sie eine Arbeitsstelle finden können in ihrem Anvisierten Fachgebiet. Und dabei müssen sie wissen, ob sich das finanzielle Risiko lohnt.

Es wird ständig um die Höhe der Gebühren gestritten. 500 Euro sei viel zu viel, heißt es immer wieder. 3000 Euro endgültig “sozial unverträglich”. Aber in Wirklichkeit sind 500 Euro “sozial unverträglich”. Bei 500 Euro pro Semester können tatsächlich noch die gehobene Mittelklasse und wohlhabendere studieren. Kredite lohnen sich für solche Beträge kaum und somit werden die Banken nur zögernd Ausbildungskredite bereitstellen. Ganz anders sieht das mit 3000 Euro aus. Das können nur noch die wirklich reichen aus eigener Tasche zahlen. Also werden Banken günstige Kredite anbieten, z.B. 3000 Euro pro Semster (zum Studieren) und 700 Euro pro Monat (zum Leben) für vier Jahre. Das sind gut 57.000 Euro Schulden nach dem Studium. Aber in 30 Jahren abbezahlt sind das gerade mal 200 Euro pro Monat, gar nicht schlecht für eine hochkarätige universitäre Ausbildung.

Also müßten die Plakate Lauten: “Studiengebühren für eine Gute Bildung” oder “Mindestens 2000 Euro, sonst krieg ich nichts” oder “Ich will für mich selbst Verantwortung übernehmen!”.


 
 

Im Unispiegel von Spiegel Online gibt es ein Feld, welches die "Top 5 der Yahoo! Suche" zum Anklicken einblendet. Neulich war folgendes zu sehen:
Screenshot "Top 5 Yahoo!Suche" auf Spiegel Online

Honi soit qui mal y pense...

Von heinrich um 17:36 in Kritisches | 0 Kommentare | Kommentieren

 
 

Danke liebe Jugend der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft
im Landesverband Hessen e. V.
. Wir können auf Deiner Website lesen: Auf unsere Stellungnahme gegen Studiengebühren im Erststudium sicherte uns die CDU-Landtagsfraktion zu, keine entsprechenden Gebühren einzuführen. Die DLRG-Jugend Hessen hatte in ihrer Stellungnahme befürchtet, dass sich allgemeine Studiengebühren negativ auf das ehrenamtliche Engagement von jungen Menschen auswirkt.
Nach Deiner Ansicht (siehe FR vom 30.11.) gefährden Gebühren nämlich ehrenamtliches Engagement: "Studierende müssen für die Finanzierung ihres Studiums vermehrt arbeiten, haben deswegen weniger Zeit für ihren Verein." Dies wäre nicht nur kontraproduktiv für die Ehrenamtskampagne des Landes. Gebühren gefährdeten auch die Sicherheit an hessischen Seen, Flüssen und Bädern. Jährlich würden dort 300 000 Wachstunden ehrenamtlich geleistet. Überwiegend von jungen Menschen in ihrer Freizeit.In der Tat ein Aspekt, der absolut noch nicht ausreichend beleuchtet wurde in der Debatte um Studiengebühren. Danke DLRG!

Von heinrich um 17:02 in Kritisches | 0 Kommentare | Kommentieren

 
 

Im folgenden handelt es sich um eine schriftliche Arbeit von Marco Geis im Rahmen des Vordiploms, die den Wandel der Hochschulen der letzten zehn Jahre untersucht. [...]

In dieser Arbeit soll zum einen auf das Verhältnis zwischen der relativen Autonomie der Hochschule an sich und ihrer strukturellen Eingebundenheit in das polit-ökonomische System eingegangen werden. Zum anderen sollen ihre Entwicklungstendenzen innerhalb dessen im Rahmen neoliberaler »Reformpolitik« des letzten Jahrzehnts beleuchtet werden.
Hierfür wird in einem kurzen Rückblick auf die Anfänge der Forderung nach Autonomie von Wissenschaft und Hochschule eingegangen (Gliederungspunkt 2). Anschließend soll der hochschulpolitische Wandel von der Gruppenuniversität zur Dienstleistungshochschule innerhalb der letzten zehn Jahre (Gliederungspunkt 3) sowie das Ergebnis dessen (Gliederungspunkt 4) dargestellt werden. Danach folgt eine Wertung dieses Wandels im Rahmen des Verhältnisses der Hochschulen zur Gesellschaft (Gliederungspunkt 5) woraufhin im Fazit ein abschließendes Urteil über die Frage der Autonomie der Hochschulen gefällt und in diesen Zusammenhang ein Ausblick auf ihre zukünftige Entwicklung gegeben wird (Gliederungspunkt 6).

Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung -3-
2. Rückblick -4-
3. Von der Gruppenuniversität zur Dienstleistungshochschule -6-
a.Leistungsbezogene Mittelverteilung -9-
b.Ranking -11-
c.Bologna-Prozess -13-
d.Studiengebühren -15-
e.Abbau demokratischer Legitimation -16-
4. Ein Modell setzt sich durch -17-
5.Bedeutung des Wandels -17-
a.Das qualitativ Alte -18-
b.Das qualitativ Neue -22-
6.Fazit und Ausblick -25-
7.Literaturverzeichnis -28-
PDF-Download [via marburg breakout]

Von moe um 10:29 in Kritisches | 0 Kommentare | Kommentieren

 
 

Der dbb hat sich gegen die Einführung von Studiengebühren für das Erststudium ausgesprochen. Diese stellen grundsätzlich kein Mittel dar, mehr Studierende an die Hochschulen zu bringen und die Studierzeiten nachhaltig zu verkürzen, erklärte der dbb Bundesvorsitzende Peter Heesen am 26. Januar 2005 in Berlin. Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hatte an diesem Tag entschieden, dass die Regelungen zum Studiengebührenverbot nichtig sind, weil sie die Rahmengesetzgebungskompetenz des Bundes überschritten.

Auch in Zukunft müssten Bund und Länder in der Bildung konstruktiv zusammenwirken, mahnte Heesen. Dabei sei es sinnvoll und richtig, bundeseinheitliche Regelungen im Kernbereich „Zugang zum Studium“ einzuführen.

Der dbb appelliere an die Länderregierungen, sozialverträgliche Regelungen für die Aufnahme des Erststudiums zu schaffen, um mehr junge Menschen zu einem Hochschulabschluss zu bewegen, fügte Heesen hinzu. Auch müsse sichergestellt werden, dass die Gebühren in voller Höhe den Hochschulen zufließen, damit diese ihr Leistungsspektrum erweitern und verbessern können.

Bei rückläufigen Geburtenraten liegt der Anteil der Studierenden an einem Altersjahrgang in Deutschland im OECD-Vergleich bei 37 Prozent bei einem OECD-Durchschnitt von 51 Prozent.

dbb

Von heinrich um 02:32 in Kritisches | 0 Kommentare | Kommentieren

 
 

Auf der Website der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main findet sich eine Stellungnahme gegen die fortschreitende Ökonomisierung des Bildungssystems, welche von den Erziehungswissenschaftlern Andreas Gruschka, Ulrich Herrmann, Frank-Olaf Radtke, Udo Rauin, Jörg Ruhloff, Horst Rumpf und Michael Winkler unterzeichnet wurde:
 

Fünf Einsprüche gegen die technokratische Umsteuerung des Bildungswesens

Wir laden ein zu einer Zusammenkunft von Erziehungswissenschaftlerinnen und Pädagogen am
Montag, dem 10. Oktober 2005, 12.30-17 Uhr,
Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main
Campus Bockenheim, Mertonstraße, Hörsaal IV
Bei dieser Gelegenheit sollen die folgenden fünf Einsprüche erläutert, diskutiert und der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
  1. Wir wenden uns gegen die Illusionen einer alle politischen Parteien übergreifenden Bildungspolitik, die das Bildungssystem nach betriebswirtschaftlichen Mustern in den Griff zu bekommen sucht.
  2. Wir widersprechen der völlig irreführenden Behauptung, bei der gegenwärtigen Umorganisation der Bildungsinstitutionen gehe es um mehr Autonomie von Schulen und Hochschulen.
  3. Wir halten es für einen folgenschweren Irrtum, wenn behauptet wird, Erziehungswissenschaft erfülle ihren öffentlichen Auftrag nur dann, wenn sie unmittelbar verfügbare und kurzfristig nutzbare Ergebnisse für Politik und Praxis zeitige.
  4. Wir protestieren gegen die weitere Aushöhlung von universitären Studiengängen - insbesondere auch in der Lehrerausbildung - durch ihre zunehmende Verschulung.
  5. Wir bezweifeln die vorherrschende Meinung, die Festlegung und Durchsetzung von Leistungsstandards zur Überprüfung von Basiskompetenzen sei ein geeignetes Mittel, um der demokratischen Forderung nach größtmöglicher Gleichheit der Bildungschancen Genüge zu tun.
Aufruf und die fünf Thesen ausführlich als PDF.

Die FAZ kommentiert hierzu:
Ausgestattet mit einem ausgeprägten historischen Bewußtsein, hätten es vielleicht mehr Hochschullehrer gewagt, an die Verantwortung der Schulen und Hochschulen für die Entwicklung selbständig denkender und urteilender Menschen zu erinnern. Denn sie müßten durch das hörige Mitläufertum vieler ihrer Amtsvorgänger im vergangenen Jahrhundert gewarnt sein. Heutzutage riskiert kein Professor seine Existenz, wenn er Kritik nicht nur äußert, sondern sich dem kurzatmigen, ministeriell verordneten Reformaktivismus widersetzt.

Von moe um 16:44 in Kritisches | 0 Kommentare | Kommentieren

 
 

Kongress zu Reproduktionsbedingungen und Perspektiven kritischer Theorie:

Mit dem Einsetzen der neoliberalen Hochschulreform werden die Arbeitsbedingungen kritischer Wissenschaft an den Hochschulen erheblich erschwert, wenn nicht gar zerstört. [...]
Reaktionäre Wissenschafts- und Personalpolitik wird auch durch Hochschulstrukturmaßnahmen wie bspw. die Streichung gesellschaftswissenschaftlicher Fakultäten und Studiengänge, durch Personalpolitik, durch finanzielle Einschnürung der freien Forschung, durch die Überlastung der WissenschaftlerInnen mit Verwaltungsaufgaben, die wissenschaftliches Arbeiten verhindern, oder durch Leistungsdruck vollzogen. [...] Die zunehmend marktförmige Ausrichtung der Hochschulen bedroht die kritischen Wissenschaften wie ihre Möglichkeiten, demokratisierend und kritisch auf die Gesellschaft einzuwirken.
Mit dem Kongress werden folgende Ziele verfolgt:
  • Eine Einschätzung der Auswirkungen der neoliberalen Hochschulreform auf kritische Theorie und Wissenschaft;
  • eine Bestandsaufnahme der Orte kritischer Theoriebildung außerhalb der Hochschulen;
  • eine Diskussion darüber, wie die Verdrängung kritischer Theorie und Wissenschaft aus den Hochschulen verhindert und durch außerhochschulische Reproduktion kritischer Wissenschaft entgegengetreten werden kann;
  • eine Vernetzung von AkteurInnen aus verschiedenen Bereichen der Produktion kritischer Theorie;
  • ein Anstoß zur weiteren Diskussion über die Perspektiven kritischen Wissens in der neuen Phase des Kapitalismus.
1.-3. Juli 2005, Uni Frankfurt. www.kongress-kritische-wissenschaft.de


 
 

Julia Franz hat ihre Diplomarbeit in Pädagogik (Erwachsenenbildung) veröffentlicht:

Franz, Julia:
Die Regierung der Qualität. Eine Rekonstruktion neoliberaler Gouvernementalität am Beispiel von Qualitätsmanagement in der Erwachsenen- und Weiterbildung (PDF, 1.096 KB).
Diplomarbeit, Universität Gießen, 2004.

Um Feedback, Anregungen und Kommentare wird gebeten: Abstract und Kommentare.

Die Arbeit liegt übrigens unter einer Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Germany Lizenz vor, und darf also - gemäß den Lizenzbestimmungen - zu unkommerziellen Zwecken in unveränderter Form verbreitet, vervielfältigt oder veröffentlicht werden, wenn die Quelle genannt wird.

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Von moe um 22:01 in Kritisches

 
 

Mit Bildungzweck bauen wir gerade eine Seite mit Informationen zum Bildungssystem und dessen Hintergründen sowie zur aktuellen Protestbewegung auf. Wir wollen einen theoretischen Hintergrund bieten, um die Proteste inhaltlich zu ergänzen.

Schaut doch einfach mal vorbei und wenn ihr Fragen oder Anregungen zur Seite bzw. zu einzelnen Artikeln habt, schreibt uns 'ne Mail (info@bildungszweck.de) oder benutzt einfach die Moeglichkeit direkt 'nen Kommentar auf der Seite zu hinterlassen.


 
 

gelesen bei spiegel-online:

Studentische Hilfskraft - ein Luxusjob? Die Tutoren und Helfer der Professoren sind an den Hochschulen unentbehrlich. Trotzdem werden sie als Packesel der Wissenschaft mit Hungerlöhnen abgespeist: Fünf Euro pro Stunde sind keine Seltenheit - oder sogar nichts, nada, niente. Nun wird wieder über faire Bezahlung verhandelt.

(...) die Universitäten gönnen ihren Beschäftigten selten Urlaub, keine Kündigungsfristen und lassen sie Verträge unterschreiben, die nur für sechs Monate gelten. Vor allem aber werden die Studenten mit einem Taschengeld entlohnt - Überstunden inklusive.

(...) Kampfpreise von 3,40 Euro die Stunde (Fachhochschule Weihenstephan) sind keine Seltenheit, die Löhne stagnieren seit zwölf Jahren. Das hat eine neue Studie zu Arbeitsbedingungen von studentischen Hilfskräften ergeben, in Auftrag gegeben von der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Hessen. "Man muss es sich leisten können" lauten Titel und Fazit der Untersuchung der Philips-Universität Marburg, die vor allem extrem kurze Vertragslaufzeiten und radikal mickrige Stundensätze bemängelt.

(...) Bewerbungen seien ohnehin kaum gefragt, besagt die Studie aus Marburg. Meist sprechen Professoren ihre potentiellen Mitarbeiter einfach in der Vorlesung an. Dabei picken sie zielsicher die Akademikerkinder heraus: 95 Prozent der Hiwis stammen aus so genannten "bildungsnahen Schichten". "Die Jobs werden nicht ausgeschrieben. Die Vergabe ist also immer auch eine soziale Auswahl", sagt Nele Hirsch vom Vorstand des studentischen Dachverbands fzs, der sich für eine tarifliche Regelung studentischer Beschäftigungen einsetzt.

(...) Das könnte sich jetzt ändern: Am Donnerstag verhandeln die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) und die Gewerkschaften über einen Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst, in dem erstmals auch die Hilfskräfte an Hochschulen einbezogen werden sollen.

Einzig Berlin macht bisher die Ausnahme bei der Studenten-Ausbeutung. Dort sind Hiwi-Jobs tariflich geregelt. In allen anderen Ländern sind die Löhne der studentischen Beschäftigten seit 1993 von der Gehaltsentwicklung im öffentlichen Dienst abgekoppelt. (...) pfeil_rechts zum vollständigen Artikel...