Hessen verblödet: Dank der Studiengebühren fangen immer weniger Leute ein Studium an. Die Auswirkungen der zu diesem Semester in Hessen eingeführten Langzeitstudiengebühren machen sich auch an der Fachhochschule Wiesbaden (FHW) bemerkbar: Mit 475 neuen Studenten konnte FH-Präsident Professor Clemens Klockner deutlich weniger Erstsemester als im Vorjahr am Standort Wiesbaden begrüßen. Während in Geisenheim generell zum Sommersemester keine neuen Studenten aufgenommen werden, kamen in Rüsselsheim weitere 150 Männer und Frauen hinzu. Damit wählten insgesamt 49 Studenten weniger eine Erstimmatrikulation an der FHW als 2003. Hätte man nicht erstmalig Business Law zu einem Sommersemester angeboten, wäre diese Zahl noch höher gewesen. Weiterlesen beim Rhein-Mainer.

# Samstag, 3. April 2004, 11:40, von moe in Presse

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freak kommentierte am Samstag, 3. April 2004, 23:33:
Ein Erfolg des Gesetzes zeichnet sich ab.

Freue mich über diese Entwicklung. Anscheinden überlegen sich nun die Erstsemstler erstmal was sie mit ihrem Leben anfangen wollen, bevor sie sich zur Orientierung mal einschreiben, 2 mal wechseln, dann abgehen.

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hanack antwortete am Dienstag, 6. April 2004, 14:20:

Von der These, dass die jungen Leute ersteinmal überlegen, was sie mit ihrem Leben anfangen wollen, halte ich nicht so viel.

Erstens denke ich nicht, dass sie jetzt mehr überlegen, ob der Studiengang der richtige ist. Vielmehr denke ich, dass die Gebühren einfach abschrecken. Bevor man die Entscheidung trifft, was man studieren möchte, kommt erstmal die Entscheidung, ob man studieren kann oder ob man studieren will. Es wird nun die Frage gestellt: Soll ich überhaupt studieren? Kann ich mir das leisten? Wer garantiert mir, dass nicht nächstes Jahr generelle Studiengebühren eingeführt werden? Kann ich mir das Studium auch mit Studiengebühren leisten?

Da du, freak, immer von Konstruktiver Kritik redest, möchte ich jetzt wissen, wie sich Studieninteressierte orientieren sollen/können, bevor sie ein Studium beginnen. Wieviele Angebote gibt es, um seine Entscheidung zu fällen? Welche sind das? Und sind diese Angebote immer realitätsnah? Was ist, wenn einem dies und das versprochen/angepriesen wird, es beim Studium ganz anders aussieht? Kann überhaupt einen umfassenden Eindruck eines Studiengangs vermitteln? Und wenn ja, wieviel Zeit braucht man dazu? Wie kann man garantieren, dass man die richtige Hochschule findet? Jede Hochschule ist anders und gleiche Studiengänge an verschiendenen Hochschulen sind anders. Ist ein Studium überhaupt das richtige? Oder mache ich lieber eine Lehre (wenn ich eine Lehrstelle finde) oder Techniker/Meister?

Zeugt es vielleicht sogar davon, dass es solche Orientierungsmaßnahmen nicht gibt bzw. nicht in ausreichendem Maße oder vielleicht werden diese Orientierungsmaßnahmen nicht oder kaum genutzt?

Oder liegt es vielleicht öfters einmal daran, dass die Studenten während der ersten Studienzeit kaum bis gar nicht betreut werden. Zum Beispiel habe ich einen Freund, der an der TU München studiert und dort mit 800 weiteren im Hörsaal sitzt (oder manchmal steht). Betreuung sei gleich null (zumindest in den ersten drei Semestern). Einige fühlen sich überfordert - da wäre eine bessere Betreuung wie ein Auffangnetz. Ach ja: nach dem dritten Semester sind dort nur noch 30 Prozent übrig. Das deutet nicht auf eine Dummheit der Studenten hin, sondern, dass hier stark ausgesiebt wird. Man legt einfach fest, dass nur 30 Prozent durchkommen dürfen. Dabei spielt es keine Rolle, ob dieser Jahrgang vielleicht einer der stärkeren ist. Hier orientiert man sich ausschließlich an der Wirtschaft, die Jahr für Jahr eben nur 30 Prozent Nachwuchs braucht. Nicht mehr und nicht weniger.

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freak antwortete am Mittwoch, 7. April 2004, 15:26:
Aufnahmetests, Fachschaftsarbeit, Eigeninitiative

Du hast Recht, es gibt wenige Angebote, wo man sich gut über einen Studiengang und eine Uni informieren kann.

Aber es ist der falsche Weg, es einfach mal zu versuchen.

Durch die drohenden Gebühren (die erst nach 14 Semestern hoch sind) abgeschreckt, überlegt man sich schon mal, ob man ein Testsemester verschwendet oder nicht.

Gegen die hohe Abbrecherquote helfen z.B. Aufnahmetests, die ich sehr begrüßen würde. Es gibt nämlich immer noch viele die halt mal Studieren, weil sie sich davon viel Geld versprechen, und nicht weil sie etwas gut können und es noch fundieren möchten, bzw. wenn sie wirklich für eine Sache interessiert sind.

Eine Möglichkeit wäre es, in die Schulen (Oberstufe) zu gehen und über ein Studium und den möglichen Studiengängen zu berichten, das gabs bei uns auch, und es war gut. Diese Aufgabe könnten Fachschaften übernehmen, man könnte mal ausführliche Studiengangsbeschreibungen erstellen.

Und als letztes bleibt die Eigeninitiative, mal einfach in die Uni gehen, sich in eine Vorlesung setzen, vielleicht mal Studenten fragen wie es ist.

Aber was ich nicht akzeptieren kann, ist: es mal auszuprobieren. Wenn man charakterlich unentschlossen ist, sollte man lieber eine Lehre machen.

Studienabbruch muss Konsequenzen haben und das StuGuG bietet gute Ansätze dazu.


Zum Geld: Wer keins hat, kann ja einen Kredit aufnehmen.

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