CHE warnt vor übertriebener Euphorie im Sommerloch
Keine Gebühren ohne sozialverträgliche Stipendien- oder Darlehenssysteme

Angesichts der aktuellen Debatte über die Einführung von Studiengebühren warnt das Gütersloher Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) vor einer übertriebenen Euphorie im Sommerloch. In der gegenwärtigen Diskussion über die unterschiedlichen Modelle werde der wichtige Aspekt einer sozialverträglichen Erhebung von Studiengebühren sträflich vernachlässigt.
Darin sieht das CHE eine Gefahr: "Mit Studiengebühren kann man erheblichen Schaden anrichten, wenn man sie nicht sozialverträglich gestaltet", sagte Frank Ziegele, Projektleiter beim Centrum für Hochschulentwicklung. Die bloße Einführung von 1000 Euro pro Jahr könnte für viele Studierende aus einkommensschwachen Elternhäusern das Aus bedeuten; daher bedürfe es der gleichzeitigen Entwicklung von Darlehens- und Stipendiensystemen. "Länder wie Australien oder die Niederlande machen uns vor, wie man Studiengebühren einführt, bei denen Studierende nicht abgeschreckt werden", so Ziegele. Jeder derzeit diskutierte Vorschlag müsse an seinen sozialen Effekten gemessen werden.
Erfreulich sei, dass der Vorschlag des Hamburger Wissenschaftssenators Dräger offenbar einen richtigen Weg aufzeige: Dort werde die Idee des "Darlehens mit einkommensabhängiger Rückzahlung" verfolgt, die beispielsweise derzeit auch in England von der Blair-Regierung umgesetzt wird. Jeder Studierende, der die Gebühren zu Studienbeginn nicht aufbringen kann, erhält ein Darlehen, das er später bei hohem Akademikerverdienst als kleinen Prozentsatz seines Einkommens zurückzahlt. Diese Regelung ohne Risiko und damit ohne Abschreckung für die Studierenden hatte das CHE in einem "Studienbeitragsmodell" bereits 1998 vorgeschlagen. Auch in den Folgejahren hat das CHE, u.a. mit der Hochschulrektorenkonferenz und der TU München, sozial tragfähige Modelle erarbeitet. Sowohl der Staat als auch die Hochschulen seien nun in der Pflicht, solche Modelle umzusetzen, sagte Ziegele.
Quelle: idw

# Mittwoch, 4. August 2004, 13:27, von heinrich in Kritisches

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moe kommentierte am Mittwoch, 4. August 2004, 15:08:
Ist das CHE kritisch?

Studis Online: Studiengebühren im Sommerloch
Das könnte jedoch alles nur Fassade sein. Dass das CHE vor unlauteren Methoden nicht zurückschreckt, um endlich Studiengebühren durchzusetzen, zeigte sich u.a. Ende letzten Jahres. Gerade während an vielen Hochschulen gestreikt wurde und auch die Studiengebührenfreitheit von vielen lautstark gefordert wurde, suggerierte das CHE, dass doch die Mehrheit der Studierenden schon für Studiengebühren wäre. Die als "Beweis" vorgelegten Ergebnisse einer Studie waren allerdings mit fragwürdigen Methoden zustande gekommen.

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hanack antwortete am Donnerstag, 5. August 2004, 03:33:

Das sehe ich genauso. Dem CHE geht es hier vermutlich nur darum IHR Modell zu propagieren und sagen zu können: "Seht her! Wir haben das doch schon lange gesagt! Wir sind die Alleskönner! Hört in Zukunft früher auf uns!"

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