Hat sich der Protest totgelaufen? Eben habe ich mal die unten links angebenen Links zu den Streik- und Protestseiten der verschiedenen Unis duchgesurft. Dabei musste ich irritierenderweise feststellen, dass viele Seiten und Foren nicht nur seit langem schon nicht mehr aktiv sind, sondern die Inhalte vom Netz genommen wurden:

Damit sind diese nicht mal mehr durchsuchbar oder zu Archiv- oder Recherchezwecken nutzbar, was ich für eher unkonstruktiv halte.
Wird falsches denn weniger falsch, wenn mehr Zeit vergeht oder mehr Leute mit den Wölfen heulen?

Gerade wenn man sich aktuelle Situation ansieht, könnte man doch zu dem Schluss kommen, dass das was wir gerade an Kürzungen erleben wirklich erst die Spitze vom Eisberg sein wird.
Da die Studierendenzahlen nun immer weiter durch Studiengebühren, Zwangsexmatrikulation und Abschreckung zurückgehen, ist es ein zwangsläufiger Effekt dass die Unis also auch immer weniger Geld zur Verfügung gestellt bekommen, und somit noch schlechter werden.
Und das mal rein finanziell gesehen und unabhängig von den gesellschaftlichen Folgeschäden die drohen, wenn man einen Bildungsbegriff einzig und allein an wirtschaftlicher Verwertbarkeit festmachen will.

# Mittwoch, 21. April 2004, 11:30, von moe in Allgemeines

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heinrich kommentierte am Donnerstag, 22. April 2004, 16:56:
Zwickauer Studenten im Vollstreik

Seit heute, dem 21.04 mittags befinden sich die Studierenden der FH Zwickau im unbefristeten Vollstreik. Auf der Vollversammlung waren ca. zwei Drittel aller eingeschriebenen Studierenden anwesend. Mit den Worten "Wir stehen heute hier, weil wir entscheiden müssen, ob wir willige Opfer oder selbstdenkende Studenten sind." eröffnete Steffen Garbe, Student an der FH Zwickau, die Vollversammlung.

Martin Schuster, Gastredner von der Universität Leipzig wies auf die bildungspolitische Schieflage im Land hin. "Gute Bildung und soziale Sicherheit werden zum Luxus für einige Wenige. Das Ergebnis wird eine Ellenbogengesellschaft sein, in der nur den Stärksten, Besten, Lautesten und den Konformen eine Chance eingeräumt wird."

Mit ihrem Protest wollen die Studierenden deutlich machen, dass Studiengebühren in Sachsen ein Tabuthema zu sein haben. "Freie Bildung ist eine Grundvorraussetzung für jede Gesellschaft die sich demokratisch nennen möchte. Wir wissen dass die Entwicklung vom Sozial- hin zum Kapitalstaat die Falsche ist. Die Proteste in Berlin haben erste Wirkung gezeigt. Dort wird es keine Gebühren geben. Und mit uns wird es auch in Sachsen keine Studiengebühren geben!" so Mike Nagler, Sprecher der Konferenz sächsischer Studierendenschaften in seiner Rede.

Die Regierung des Freistaates Sachsen klagt gemeinsam mit 5 weiteren unionsgeführten Bundesländern gegen das im Hochschulrahmengesetz verankerte Verbot von Studiengebühren. Ein Erfolg dieser Klage würde dazu führen das die Einführung von Studiengebühren auch in Sachsen legitimert würde.(...)

Quelle: PM der Studis der FH Zwickau über BASIN (bundesweites studentisches alternatives Informations Netzwerk)
siehe auch http://wwwstud.fh-zwickau.de/~stura/

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freak kommentierte am Donnerstag, 22. April 2004, 22:23:
Studenten getäuscht?

Ich frage mich, welcher Student noch weiß dass seine Uni studiert.
Habe es letztens erst erfahren und das fand ich schon ziemlich dreist. Bei uns in Darmstadt wurde wohl bewusst kein Streikende genannt. Und auf Nachfrage im Uebergebuehr-Forum wurde mir gesagt, dass es vorbei ist.

Warum werden die Studis denn darüber nicht informiert? Ein monatlicher Streikbericht wäre doch OK. Komme mir irgendwie verarscht vor, wahrscheinlich bleibt jetzt meine Uni für mehrere Jahrzehnte im Streik, es wird zwar keiner mehr wissen wogegen, aber Hauptsache: dabei!!

Mal ehrlich, sollten die "Streiks" oder "Proteste" nicht langsam mal der Realität angepasst werden? Es herrscht doch Normalität, und dieser Normalität muss man doch keine künstliche Eigenschaft unterstellen.


"Das Ergebnis wird eine Ellenbogengesellschaft sein, in der nur den Stärksten, Besten, Lautesten und den Konformen eine Chance eingeräumt wird."

Der Anfang stimmt, ab der Mitte wird es falsch, richtig lautet der Satz natürlich:
"Das Ergebnis wird eine Ellenbogengesellschaft sein, in der nur den Stärksten, Besten, Klügsten und Fleißigsten eine Chance eingeräumt wird."

Denn laut und konform sein bringt einem im Studium nicht weiter, wenn es darum geht, schnell alles durchzunehmen.

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moe antwortete am Freitag, 23. April 2004, 10:23:
Dein Satz würde bedeuten

...dass an der Uni eine Chancengleichheit existiert.
Dies ist erwiesenermassen alles andere als der Fall und auch dementsprechend empirisch belegt. Universitärer Erfolg ist in hohem Masse von sozialer Herkunft abhängig, wenn Du Dir grössere Populationen anschaust.
Diese Chancenungleichheit wird weiter verstärkt, da die Unis schlichtweg weniger Kapazitäten anbieten als sie Studierende aufnehmen, und sich dieser Trend bei zunehmenden Kürzungen verstärkt. Es ist also bereits schlichtweg im System verankert, dass nicht alle dieselbe Chance haben können.
Das wäre ja so, wie zu fordern dass jeder arbeitet, wenn es aber einfach nicht genug Arbeitsplätze für jeden einzelnen gibt.
Aber das ist eine derartige Basisprämisse, dass ich nicht glaube dass wir hier zu einer fruchtbaren Diskussion kommen können. Was aber nicht Dein Ziel zu sein scheint.

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freak antwortete am Samstag, 24. April 2004, 20:10:
Sie haben nicht alle die gleiche Chancen...

... das stimmt. Aber den Unterschied macht nicht die Herkunft, sondern die Motivation. Weshalb die Chanceungleichtheit weiter verstärkt wird bei weniger Kapazitäten, ist mir nicht sonderlich klar, schließlich werden alle Studis dann gleich stark benachteiligt.


Warum laut und konform sein, einen weiterbringen soll, weiß ich immer noch nicht. Und warum Fleiß die Chancenungleichheit nicht überwinden soll, weiß ich auch nicht. Meine Erfahrung lehrt mich, dass die Motivation eines Menschen seinen Lebensweg prägt und (zwar auch, aber schwächer) erst danach die Herkunft.
An der Herkunft kann man nichts ändern, aber an der Motivation.

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micha1891 antwortete am Montag, 26. April 2004, 18:02:
Den Unterschied macht die Herkunft!

Es geht nicht um die, die sich ihre Chancen selbst verbauen, weil sie nicht motiviert bzw. fleißig genug, um nicht zu sagen faul, sind, sondern um diejenigen, die von vornherein dadurch gegenüber anderen benachteiligt sind, dass sie bspw. weniger Geld haben, um sich ein Studium oder dergleichen leisten zu können. Fleiß und Motivation können dies zum Zeitpunkt null definitiv nicht ausgleichen, denn der Arme muss schauen, ob er sich das Studium leisten kann oder nicht, kann er es sich nicht leisten, kann er noch so motiviert sein, er wird nicht studieren können, somit niemals den Reichen einholen, der gleichermaßen fleißig etc. ist und studiert, weil er es sich leisten kann.

Ciao

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freak antwortete am Mittwoch, 28. April 2004, 23:59:
Der Arme hat die Schule und das Abitur geschafft

... der arme Studi, wie hat er denn sein Leben bisher verbracht? Schule und Abitur hat er doch auch geschafft. Und musste er da arbeiten? War er dort aus finanziellen Gründen benachteiligt? Ich meine nicht (aus eigener Erfahrung).

Warum kann er die paar Jahre nicht auch noch so weiter leben wie zu seiner Schulzeit? Zugegeben, Unis sind nicht so flächendeckend verteilt wie Schulen, aber durch die ÖPNV Anbindung ist man dennoch in der Lage die nächste Uni zu erreichen.

Kommt da nicht der Punkt hinein, dass seine Ansprüche gewachsen sind? Er in der Gegenwart leben will...

Nehmen wir an, dem sei nicht so, und der Studi sei motiviert. Welcher Umstand benachteiligt ihn dann?
Der Studikosten? Hm, meine Studikosten belaufen sich nur auf die Gebühren, und 340 Euro im Jahr sind nicht viel, das sind ja grad mal 30 Euro im Monat.
Bücherkosten? kA, ich finde Bücher nicht behaltenswert. Alles Klausurwichtige kann man lernen / rausschreiben.


Den Studi, der um seine Existenz arbeiten MUSS, halte ich nicht für real, da die Umstellung von Schullernen zum Unilernen nicht gravierend ist.

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moe antwortete am Donnerstag, 29. April 2004, 09:16:
Glaubst Du

es sind nach wie vor überproportional viele Studis aus überdurschnittlich wohlhabenden Familien an den Unis, weil diejenigen welche sich nie selber um Geld kümmern mussten eben die Fleissigeren sind?
Also ich fange hier jetzt nicht an empirische Fakten durchzudiskutieren. Da Du eh meinst alles zu wissen hätte und hier Polemik verprühst hätte es wohl auch keinen Sinn.

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