Die Technische Universität Darmstadt ist die erste, die Zahlen der schwindenden Studierenden veröffentlicht:
"Wir brechen derzeit unter der Last der Anfragen zusammen"
(...) 3000 der 21 000 TUD-Studenten haben sich bereits exmatrikuliert. Das sind doppelt so viele wie sonst üblich (...) Viele, so mittlerweile die Erfahrung, wechseln zur Uni Mainz, wo noch keine Gebühren wie in Hessen erhoben werden. Die genauen Gründe für die "Flucht" der Studierenden und eine Bilanz lasse sich erst nach Ablauf der Frist ziehen (...). Fest steht aber, dass viele die hohen Studiengebühren von 500 Euro und mehr bei Überschreitung der Regelstudienzeit nicht zahlen können oder sich so mancher auch vorübergehend exmatrikuliert, um sich erst kurz vor der Prüfung wieder einzuschreiben. Insgesamt bei 5000 Studierenden überprüft die TUD derzeit, ob sie Gebühren zahlen müssen, weil die Regelstudienzeit überschritten wurde. Die Mitarbeiterinnen (...) im Büro für studentische Angelegenheiten (...) werden regelrecht überrannt.
Quelle: Frankfurter Rundschau vom 4.3.2004.

Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst kann sich darüber auch noch freuen und titelt
Zahl der „Schein-Studenten“geht zurück
Landesregierung sieht positive Erwartungen bestätigt
Nach vorläufigen Schätzungen der Hochschulen geht die Zahl der Studenten zurück, die zum Teil mehr als 20, 25 Semester eingeschrieben sind. (... Es) zeichne sich bereits ein Trend ab, der die Erwartungen des Landes bestätige. Es werde damit künftig keine Möglichkeit mehr geben, um beispielsweise zu sozialen Vergünstigungen – wie etwa dem RMV-Semesterticket – zu kommen. Grundsätzlich sollen die Langzeitgebühren zum zügigen Studieren anregen.
Quelle: HMWK-Pressemitteilung
Wurde diese Landesregierung gewählt, um dem RMV unter die Arme zu greifen? Die Kalkulation des Semestertickets basiert auf den bestehenden Studierendenzahlen und ist keine "soziale" Vergünstigung. Gibt es weniger Studierende, wird der RMV-Beitrag auch noch steigen.
Meines Erachtens sind die Folgen der hessichen Studiengebühren schon jetzt fatal. Mit der Bekanntgabe der Zahlen der anderen Hochschulen wird endgültig klar werden, dass die Einführung des StuGuGs für Hessen ein Schuss ins eigene Fleisch war.

# Donnerstag, 4. März 2004, 15:03, von heinrich in Hessen

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moe kommentierte am Freitag, 5. März 2004, 12:17:
Selbst unter den gegebenen Umständen

... empfinde ich die ständigen Umdeutungen, Halbwahrheiten und Lügen welche von seiten unserer Landesregierung kommen als krasse Beleidigung. Dass ich jetzt dem Land einen zinslosen Kredit in Höhe von 1200€, welche ich nicht besitze, gewähren soll ist schon schlimm genug.
Die Hähme, mit der hier von irgendwelchen angeblich sozialschmarotzenden Studis geschrieben wird ist beispiellos.
Abgesehen davon, dass durch die wenigen Studis welche wirklich nur wegen dem RMV-Ticket eingeschrieben sind weder den Unis, noch dem RMV ein Schaden entsteht. Aber wem sag ich das?

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freak kommentierte am Donnerstag, 25. März 2004, 13:03:
Ein Lob an das StuGuG, die Faker verschwinden

Es geht ja nicht nur ums RMV, Fakt ist nunmal, dass die Studis viele Vergünsitungen kriegen (Eintritte, Steuern, RMV) und dass sie dem Steuerzahler (=Land) Geld kosten, die Unis bekommen ja pro Kopf Studi ein bisschen Geld.

Zum Glück verschwinden jetzt die Simulanten. So hat man dann auch Platz in den ach so vollen Seminaren.

Außerdem: Wer 20 Semester studiert, dem kann man nicht mehr unterstellen, dass er einen Abschluss anstrebet.
Entweder ist er für ein Studium nicht in der Lage oder er er hat anderes im Sinn.

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moe antwortete am Donnerstag, 25. März 2004, 13:15:
20 Semester?

20 Semester ist die Zahl, die gebetsmühlenartig von unseren CDU-Politikern wiederholt wird, und anscheinend haben sie bei manchen mit dieser Halbwahrheit auch schon Erfolg. Nur dummerweise gelten die Gebühren ja nicht erst ab dem 20. Semester, wie man mit solchen Äusserungen implizit nahelegen will, sondern bereits ab dem 13. Und zwischen dem 14. und dem 20. Semester dürften auch die allermeisten Betroffenen anzusiedeln sein.
Richtig ist, dass die Unis pro eingeschriebenem Student Mittelzuweisungen vom Land bekommen. Ebenso richtig ist, dass die Situation den Unis schon jetzt aufgrund Geldmangel katastrophal ist.
Welchen Effekt hat dies nun, wenn die wenigen "Faker", wie Du sie nennst nicht mehr eingeschrieben sind?
Nun ja, die Unis haben auch für diese Leute Geld bekommen, aber die Leute sind nie hingegangen. Nun gehen diese Leute genauso wie vorher nicht hin, da sie sich exmatrikuliert haben aber ja eh nicht in die Uni wollten. Nur bekommt die Uni dafür jetzt noch weniger Geld. Fazit: Nur geringfügig weniger Studis an den Unis, aber VIEL weniger Geld. Die Zustände werden also noch katastrophaler. Dass sich das positiv auf Deine Seminarplätze auswirkt, das glaubst Du doch selbst nicht.

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freak antwortete am Donnerstag, 25. März 2004, 16:43:
Entweder oder

"Nach vorläufigen Schätzungen der Hochschulen geht die Zahl der Studenten zurück, die zum Teil mehr als 20, 25 Semester eingeschrieben sind. "
Da habe ich die 20 her. Aber mal ehrlich, wer 14 Semester studiert und immer noch keinen Abschluss hat, der sollte mal nachdenken, was er da macht. Entweder ist er dann für ein Studium nicht geeignet, oder eine Ausbildung wäre vorzuziehen.

Und du musst dich schon entscheiden, ob du nun sozial sein willst oder nicht? Die Studis werden von den Steuergelder bezahlt, und rate mal wer die meisten Steuergelder zahlt? Es ist doch erwiesen, dass ein kostenloses Studium ungerecht ist, weil die Reichen hingehen und die armen Zahlen.

Die Zustände werden nicht katastrophaler, da man so über gezielte Förderung nachdenken könnte, und nicht nach dem Gießkannenprinzip.

Seminare sind mir sowieso egal, muss keine Belegen. Ich finde bei überfüllten Seminaren die Organisation und Fachbereiche versagen, die müssten andere Lehrmethoden etablieren, die auch funktionieren, z.B. Massenvorlesungen.

Noch was: die gebetsmühlenartige Wiederholung der StuGuG-Gegner, dass arme mittellose Studies, die vom Schicksal schwer getroffen wurden und deshalb ihr Studium nicht in 7 (sieben) Jahren fertig kriegen, scheinen ja auch zu fruchten. Viele Studis hinterfragen sowas ja nicht, wie man sieht.

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moe antwortete am Donnerstag, 25. März 2004, 17:29:
ich persönlich

komme ins 14. semester, bin nahezu scheinfrei und habe jeden schein mit der note 1 oder 2 gemacht. ich fühle mich durchaus nicht ungeeignet.
zu der annahme, studis würden bezahlt kann ich nur sagen dass mir der lebensunterhalt mal sicher nicht vom land finaziert wird. des weiteren siehe auch http://protest.blogger.de/stories/82988/ .

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freak antwortete am Sonntag, 28. März 2004, 04:23:
Dich kenne ich nicht persönlich, ...

Ich kann nur von meinen Bekannten sprechen. Warum du 14 Semester gebraucht hast weiß ich auch nicht.
Nimm doch einen Kredit auf und bezahle ihn nach dem Studium ab. Dann kannst du dich beeilen mit dem Studium, und bist schneller fertig.

hm, ungeeignet für ein Studium sind meiner Meinung nach die, die nicht fertig werden, weil sie ihre Zeit nicht richtig einplanen können, bzw. nicht lernen können.

Naja, wie gesagt, kenne dich nicht. Und ich weiß, dass das Studium nicht vom Land finanziert wird, wäre ja noch schöner, aber du hast doch auch Eltern, würdest du bei denen Wohnen und Essen, müsstest du nicht arbeiten gehen. z.B.

Aber wie gesagt, alles nur Spekulation

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schnee antwortete am Freitag, 3. März 2006, 18:15:
Minderung Befreiung der Studiengebühren

Also, ich muss mich jetzt auch mal einmischen, auch wenn der letzte Kommentar schon 2 Jahre her ist.

Es gibt ja die Studienguthaben, heisst, wer 3 bzw. 4 Semester mehr braucht als die Regelstudienzeit zahlt diese Gebühren gar nicht.

Wer aus bestimmten Gründen (siehe StuGuG) den Abschluss nicht in diesem Zeitraum schafft, der kann die hohen Studiengebühren gemindert oder erlassen bekommen.

Wer ohne einem solchen Grund so lange studiert kann meiner Meinung nach auch die hohen Gebühren zahlen. Denn er hat meist keinen Beruf, zahlt also nichts in die sozialen Kassen ein.

Wer also ohne etwas zu zahlen z.B. krankenversichert ist und alles andere, der liegt somit allen anderen, die viel Geld für die gleiche Leistung einzahlen, auf der Tasche.
Somit ist es nur gerechtfertigt, dass Langzeitstudenten auch ihren Beitrag dazu zahlen.

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regen antwortete am Samstag, 30. Dezember 2006, 16:26:
Nur Einheitsstudenten

Ich halte die Studienguthaben nach wie vor für den falschen Weg, weil sie an den beiden Hauptursachen für lange Studienzeiten, nämlich immer schlechtere Studienbedingungen und der Zwang zu Erwerbsarbeit neben dem Studium, überhaupt nichts ändern. Dass es der Regierung nur darum ging, eine sprudelnde Einnahmequelle damit zu erschließen, wird durch die Tatsache belegt, dass die Gebühren noch nicht einmal dafür verwendet wurden, die Studienbedingungen zu verbessern.

Es dürfte außerdem bekannt sein dass die sogenannten Regelstudienzeiten auf Idealannahmen eines Studienverlaufs basieren, die mit den wahren Verhältnissen an den Unis wenig zu tun haben. Und die zusätzlichen 3-4 Semester bringen dann auch nicht so viel. Ein großer Widerspruch liegt außerdem darin, dass jedes zusätzliche Engagemnt außerhalb des Studiums wie Mitarbeit in Hochschulorganen, Praktika, Auslandsstudium, Fremdsprachenkurse etc. bestraft werden, es aber gerade das ist, was in einem Studium immer unverzichtbarer wird. Die Bacherlor und Masterstudiengänge, die zur Einhaltung eines strikten Studienplans zwingen, suggerieren, worum es geht: Man will den Einheitsstudenten, der stur nach Schema F seine Pflichtscheine macht und sich dann zum Examen anmeldet. Jede Extradosis Studienzeit wird bestraft, ebenso wie jede Form der Umorientierung (Fachwechsel) wenn sie nach dem 2. Semester erfolgt. Individualität? Eigene kreative Neigungen? Nein, danke! Eine gute Bildung lässt sich nicht in die Formel Regelzeit plus vier Semester pressen.

Auch aus ökonomischer Sicht wäre es besser, Langzeitstudenten zu Ende studieren zu lassen als sie nach so vielen Semestern zur Aufgabe zu zwingen. Denn wer bezahlt schließlich dann teure Weiterbildungsmaßnahmen, Sozialhilfe etc.? Richtig, die Steuerzahler. Aber das ist ja politisch nicht gewollt.

Außerdem zeigt die derzeitige Entwicklung, dass Langzeitstudiengebühren von vorneherein nur eine Etappe zur Einführung allgemeiner Studiengebühren waren und sind. Gegen diese ließen sich mindestens ebenso viele gute Argumente finden.

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regen antwortete am Samstag, 30. Dezember 2006, 17:46:

Hier noch ein kleiner Nachtrag zu meinem Kommentar. Wie einer meiner Vorredner ganz richtig sagte, trifft das StuGuG viele Studierende gerade kurz vor dem Examen oder in der Examensphase. Und das sind keineswegs alle Leute, die ihre Zeit verbummelt haben. Wenn dann keine großzügigen Spender zur Verfügung stehen und das Geld verdient werden muss, rückt der Studienabschluss in noch weitere Ferne, das Studium wird noch teurer, es muss noch mehr gearbeitet werden usw. Ein Teufelskreis, der oft nur durch Exmatrikulation durchbrochen werden kann. Und dann haben wir aber andererseits, das sagt jede Bildungsstudie, zu wenige Hochschulabsolventen in Deutschland. Wie passt das zusammen? Die Bundesländer sollten endlich einmal ihrer Pflicht nachkommen dafür zu sorgen, dass die Hochschulen die finanziellen Mittel erhalten, die sie brauchen, um überhaupt ein Studium in einer angemessenen Zeit zu ermöglichen bevor sie die Studenten immer weiter schröpft. (Dass das Geld nicht vorhanden ist lasse ich nicht gelten) Das ist meine persönliche Meinung.

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regen antwortete am Samstag, 30. Dezember 2006, 21:25:
Langzeitstudenten bezahlen keine Krankenversicherung???

Ich habe jetzt erst den Unsinn im letzten Absatz meines Vorredners gelesen und kann mich eines Kommentars dazu nicht enthalten.
Seit wann zahlen Langzeitstudenten keine Krankenversicherung?? Nur mal zur Info: Ab dem 14. Semester bzw dem 30. Lebensjahr fliegt man automatisch aus der studentischen Krankenversicherung raus und muss sogar den VOLLEN Beitrag wie jeder andere auch bezahlen.
Außerdem: seit kurzem wird das Studium auch nicht mehr als Ausbildungszeit bei der Rente berücksichtigt. Ist also vom Semesterticket mal abgesehen nicht wirklich rentabel lange zu studieren.

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