Anscheinend ist der Universität Giessen durch eine sehr kurzfriste Änderung irgendwelcher Berechnungspläne (zusätzlich zum Hochschulpakt, welchen die Landesregierung bereits aufgekündigt hatte) soviel Geld gekürzt worden, dass sie den Haushalt komplett gegen die Wand gefahren hat, was wenn ich das richtig verstanden habe eine 30prozentige Kürzung der Sachmittel sowie einen kompletten Einstellungs-Stopp nach sich zieht. Das Dumme ist nur, in dem Institut wo ich studiere laufen anscheinend 5/6 der Stellen zum Semesterende aus. Ob die Stellen neu besetzt werden dürfen und ob es das Fachgebiet in dem ich studiere nächstes Jahr überhaupt noch geben wird, ist somit in meinen Augen mehr als fraglich.
In einer Krisen-Sitzung der erziehungswissenschaftlichen Institute wurde dann bekannt gegeben, dass der Umfang der Lehre im nächsten Semester so je nach Institut nochmal um 20-40% zurückgefahren wird, und dass man nebenbei innerhalb der letzten 4 Jahre sowieso schon mal zu keinem Zeitpunkt mehr als 75% der eigentlich für die hiesigen Studentenzahlen nötigen Semesterwochenstunden angeboten hätte.
Die Tatsache, dass einzelne Professuren doch noch "gerettet" werden konnten, schien hier auch noch ein Grund für Applaus zu sein. Ich würde mir wünschen, dass sich diese Personen doch bitte mal trauen mögen, an die Presse zu gehen und öffentlich eindringlichst davon abzuraten, ein Studium der Erziehungswissenschaften (Pädagogik und Lehramt) an der Justus-Liebig-Universität Giessen aufzunehmen.
Der beste Witz nun ist, dass nebenbei auch das Prüfungsamt der Geisteswissenschaften nun nicht mehr mit einer Stelle besetzt sein wird. Das bedeutet, dass sich solange dann auch niemand zu einer Prüfung anmelden kann (!!). Selbstverständlich laufen StudentInnen sturm gegen diese totale Misere, das letzte Wort ist also noch nicht gesprochen.
Obwohl der Abschluss meines Studium also überhaupt nicht gewährleistet ist, werde ich um meinen Abschluss zu machen dank der von der CDU-Landesregierung Hessens eingeführten Studiengebühren nicht drum herum kommen, dem Land Hessen 1200€ für zwei Semester quasi als zinslosen Kredit zu geben (denn abgesehen davon, dass ich das Geld überhaupt nicht habe, würde ich es ja wiederbekommen wenn ich vor 2005/2006 fertig werde). Dafür, dass ich zahlender Kunde werde, wird mir dann immerhin auch das Fachgebiet vor der Nase weggekürzt oder der Rest der Lehre wird noch überfüllter als er es jetzt schon ist, oder wie soll das laufen?
Dazu muss man wissen, dass es schon seitdem ich hier studieren völlig normal ist, aus überfüllten Seminaren rauszufliegen und ein ordnunsgemässes Studium somit faktisch nicht möglich ist.
Aber nichts genaues weiss man bisher nicht, von daher bleibt mir nichts anderes übrig, als abzuwarten.
Denn seltsamerweise findet man aber auch nirgends auf den Webseiten der Uni irgendeine offizielle Information dazu. Ich frage mich ob das irgendeine Absicht, oder lediglich eine verfehlte Informationspolitik ist.
Das ist also die Operation Sichere Zukunft, live und in Farbe.
Ein erklärtes Ziel der CDU-Mehrheitsdiktatur im Landtag scheint darin zu bestehen, jegliche nicht direkt in einem kapitalistisch-ökonomischen Sinne verwertbare auszubeutenden Bildungsinhalte sowie die dazugehörigen Institutionen zu zerstören.
Ein solcher Bildungsbegriff ist mehr als fragwürdig, die gesellschaftlichen Folgeschäden jedoch sind unabsehbar.

# Donnerstag, 12. Februar 2004, 13:55, von moe in Giessen

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