Am heutigen Donnerstag gegen 14 Uhr besetzten 40 Studierende der Technischen Universität und der Fachhochschule Darmstadt das Büro des Hessischen Rundfunk in Darmstadt in der Rheinstraße.
Dort wurden Transparente enthüllt und Flugblätter verteilt, auf denen die Darmstädter Studierenden ihre Solidarität mit ihren Berliner Kollegen bekundeten. Studierende der Berliner Universitäten hatte Anfang dieser Woche die hessische Landesvertretung in Berlin besetzt und zum gemeinsammen Protest mit den hessischen Studierenden gefordert. Diese streiken und protestieren seit Wochen gegen Kürzungen im Bildungs- und Sozialbereich und gegen Studiengebühren. Die offene Solidaritätsbekundung ihrer Berliner Kollegen haben die Darmstädter Studierenden nun mit der Besetztung des Hessischen Rundfunk erwiedert. Die Mitarbeiter des hessischen Rundfunks sagten den Studierenden Unterstützung im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu.

Gegen 15 Uhr drangen ebenfalls ca. 40 Darmstädter Studierende in das Büro des Darmstädter Oberbürgermeisters Peter Benz ein und forderten ihn zu einer Stellungnahme auf. Benz bekundete seine Sympathie mit den streikenden Studierenden und sprach sich vor laufenden Kameras des Hessischen Rundfunks und des Streikfernsehens gegen jegliche Art von Studien- und Verwaltungsgebühren aus und sicherte den Studierenden zu, eine gleichlautende Resolution zu unterschreiben. Diese wird dem Oberbürgermeister im Laufe des morgigen Tages zugesand.

Um 15.45 Uhr versuchten etwa 25 Studierende der Darmstädter Universitäten mit einem Vertreter der ortsansässigen CDU über ihre Bedenken im Bezug auf das Zukunftsicherungsgesetz zu reden. Das Gesetzt soll in zwei Wochen vom hessischen Landtag, in dem die CDU die absolute Mehrheit hält, verabschiedet werden. Leider wurde den Studierenden die Tür im wahrsten Sinne des Wortes vor der Nase zugeschlagen. Aus Enttäuschung über die Ignoranz der konservativen Partei sangen die Studierenden zwei Weihnachtslieder, bevor sie das Haus verließen. Wenige Minuten später fuhren drei Polizeiwagen vor dem Gebäude vor, die vermutlich von Vertretern der CDU-Darmstadt gerufen wurden.

Die streikenden Studierenden in Darmstadt werden durch die fehlende Bereitschaft zur Diskussion von Seiten der Darmstädter CDU-Politiker in ihrem Protest bestärkt. Wer nicht zur Diskussion bereit ist, hat allen Anschein nach keine vernünftigen Argumente zu bieten.

Die streikenden Studierenden der beiden Darmstädter Universitäten mobilisieren gemeinsam für die Sportgroßveranstaltung am morgigen Freitag in Frankfurt. Dort werden ab 17 Uhr die Qualifikationsgruppen für die Fußballweltmeisterschaft ausgelost. Auch Roland Koch wird dort anwesend sein. U.a. gegen ihn richten sich die Proteste der hessischen Studierenden.

# Donnerstag, 4. Dezember 2003, 18:11, von holgo in Darmstadt

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moe kommentierte am Donnerstag, 4. Dezember 2003, 20:16:
Darmstadt rockt :)

Macht weiter so! Solidarische Grüsse aus Giessen.

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onliner antwortete am Freitag, 5. Dezember 2003, 07:59:
Sorry...

Aber wer Eier und Tomaten gegen die Scheiben der CDU Zentrale wirft und sich nach einem Backsteinwurf, der die Frontscheibe zertrümmerte, nicht glasklar und in der Zeitung von dieser hinrlosen Aktion distanziert, welche die gesamte Studentenschaft nur weiter ins links-autonome Lager drückt, darf sich über Polizeieinsatz bei der nächsten Aktion nicht wundern.

Der gesamte Streik hat die Studentenschaft mehr entzweit als es die Studiengebühren je könnten. Was glaubst Du denn, warum an den Unis weniger als 10 Prozent „streiken“ und sich der Rest nicht solidarisiert? Mit eurem Streik sprecht Ihr nicht für die Mehrheit der Studentenschaft. Leider seid Ihr die einzigen, die das noch nicht kapiert haben.

Schon mal darüber nachgedacht, dass nicht jeder Student der verlängerte Arm des DGB sein möchte? In unserem AStA-Büro ist alles voll. DGB Fahnen, Westen, Plakate. Ganz nach dem Motto „DGBst Du schon, oder studierst Du noch“?

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moe antwortete am Freitag, 5. Dezember 2003, 13:12:

Formulierungen wie mit Eurem Streik lassen die Differenziertheit die Du forderst vermissen.
Eine Mehrheit anzusprechen ist unmöglich, wenn man sich mal das Selbstverständnis der meisten Studierenden ansieht. Die Leute, die Hochschulbildung für ein Konsumgut halten welches sie auf ihren Beruf vorbereiten soll sehen sich nun mal eher als Azubi denn als Wissenschaftler. Und die Uni ist voll davon.
Weiterhin müsste es klar sein, dass die Studierendenschaft wenn überhaupt nur dann etwas erreichen wird, wenn sie sich mit anderen betroffenen Gruppen solidarisiert und es gelingt den perfiden Gesamtzusammenhang innerhalb dessen die Kürzungen stattfinden aufzuzeigen.
Es wäre hilfreich zu kapieren dass dies nicht "Euer" sondern "unserer" Streik ist, jedenfalls insofern man die Beschlüsse der Studierendenschaft achtet. Weiterhin wäre es auch hilfreich, den geistigen Führungsanspruch ("Leider seid Ihr die einzigen, die das noch nicht kapiert haben") abzulegen, falls man ernsthaft an einer konstruktiven Diskussion interessiert ist.

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onliner antwortete am Freitag, 5. Dezember 2003, 17:26:
Gezielt so gewählt

Die Formulierung "euer" Streik ist mit Absicht so gewählt. Die Zahlen aus Darmstadt: Von 30.000 Studenten an TU und FH beteiligen sich ca. 2000 am Streik und der Rest bleibt zuhause. Die kritischen Stimmen, welche den gesamten Sinn dieses Streiks anzweifeln, werden auf allen Plattformen laut. Die Streikenden sprechen in meinen Augen weder für die gesamte Studentenschaft noch für die Mehrheit bei uns.

Solidarisierung mit einzelnen Gruppen ja, Handlangerschaft nein. Ich habe nichts dagegen, wenn die GEW mit uns zusammenarbeitet, aber irgendwo sind Grenzen gesetzt. Wir sind -zum Glück- noch kein Teil einer Gewerkschaft und können es uns erlauben, eine eigene Meinung zu haben. Und die, wenn ich das so salopp bemerken darf, ist nicht unbedingt contra Studiengebühren. Alleine in unseren FBs würden die Studis teilweise "freiwillig" 50 Euro pro Semester zahlen, wenn das Geld direkt an die FBs gehen würde.

Und hier liegt für mich der Knackpunkt. Anstatt dieses Solidaritätspotential von Studenten für Studenten und für die Hochschulen zu nutzen, wird durch einen aggressiven Totalstreik eine Spaltung bewirkt. Das Problem geht in meinen Augen also nicht von den Streikgegnern aus (die immer noch gegen das Gesetz in dieser Fom sind), sondern durch die absolut ignorante Haltung der Streikenden - die ihre Form des Protests als Ultima Ratio betrachten. Und das, obwohl ihnen die Leute in Scharen davon laufen.

Wenigstens in Darmstadt ist die FH zur Besinnung gekommen, nachdem der Streikbeschluss von vielen Fbs - und noch mehr Studenten - ignoriert wurde.

Nichts für Ungut, ich teile Deine Meinung über das Gesetz - nur nicht über die Art und Form des Protestes.

MfG,
Onliner

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kokolorus antwortete am Freitag, 5. Dezember 2003, 17:51:
Lieber Onliner

Welche Protestalternativen stellst Du dir denn vor?Würde Dir vorschlagen sie im Streikbüro deiner Uni kund zu tun und dich aktiv zu beteiligen, anstatt den Streik zu Verurteilen für den leider eine geringe Menge an Studies ,auch in deinem Interesse,ihre Zeit und Energie opfern.

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