Auch in München demonstrierten die StudentInnen heute gegen den geplanten Bildungsabbau, der Unis zu konkurrierenden Unternehmen machen und den Sieg des Kapitals über die Wissenschaft feiern soll. Die Möglichkeit zu wissenschaftlicher Erkenntnis eines jeden Hochschulbefähigten wird hier eingetauscht gegen die Möglichkeit der persönlichen Bereicherung einiger weniger unseres Landes. Dies kann in niemandes Interesse sein, denn Bildung ist keine Ware. Nebenbei hat Bildung ja auch einen sozialisierenden Faktor, und dieser ist für die Mächtigen dieses Landes sehr, sehr wichtig. Letztenendes könnte dies der Grund sein, warum sich der Staat überhaupt noch Bildung leistet: Um aus den Menschen Untertanen zu machen.
Wären wir nicht durch Schule und Hochschule dementsprechend sozialisiert worden, wer weiss, vielleicht hätte sich die Masse schon längst ihr Recht eingefordert, ungeachtet der Mittel und Wege.
Moment mal, das ist viel zu politisch, könnte man jetzt sagen, hier geht es doch um Studiengebühren in Hessen und Kürzungen in Bayern, also "nur" um Geld. Konzentrieren wir unseren Protest doch lieber darauf! Das ist zwar richtig, aber man muss sich immer wieder klar machen, dass die Haushaltslage sicherlich genausowenig gottgegeben ist wie sie ein Naturgesetz ist. Es handelt sich lediglich um die ökonomische Symptomatik eines politischen Prozesses. Letztendlich handelt es sich also um einen politischen, keinen ökonomischen Konflikt. Denn Deutschland ist reich genug. Bestreiten tun dies nur diejenigen, die selbst die Reichsten sind.
Sie sind es auch, die die neoliberale Argumentation vertreten, ein jeder könne doch ein schnelles, gutes Studium absolvieren und habe damit die gleichen Chancen. Der Nachsatz "zumindest wenn er am besten männlich, weiss, zweckrational-zielstrebig (für die Wirtschaft, nicht die Wissenschaft), aus wohlhabendem Hause, kinderlos und gesund ist" wird dabei nur allzugerne unter den Teppich gekehrt.
Die Summen, welche sich jedes deutsche Bundesland durch die Steuerhinterziehungen derjenigen 10%, die 90% des Kapitals besitzen jährlich durch die Lappen gehen lässt sind horrend. Dass dieser Misstand nicht geändert wird, hat System. Anders kann ich mir zumindest diesen Zustand nicht erklären, freue mich aber über Hinweise.

# Freitag, 21. November 2003, 14:49, von moe in Allgemeines

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moe kommentierte am Freitag, 21. November 2003, 15:33:

... denn manchmal ist Polemik das einzige, was mir noch einfällt...

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