Aufruf: Vom Streik zum dauerhaften Protest und Wandel der Perspektive von der Rechtfertigung des (Langzeit-)Studiums und der Status von Bildung sowie eine Politisierung des Protestes! Wenn der Diskurs Bildung ökonomisieren will, dann muss er von uns politisiert werden, um mit user MOE zu sprechen "die Politiker mit ihren eigene Waffen" geschlagen werden können... ich bitte um Dekonstruktion dieses Textes }:)

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Aufruf: Wählt Formen des Protests – streiken allein reicht nicht!!!

Politisierung der Bildungsmisere

Liebe Studierende,

zwischen Euphorie und Resignation kristallisieren sich einige Probleme dieses Streiks heraus, zu denen wir Stellung nehmen müssen!

Zunächst einmal: JA, der Protest geht weiter ! Das soll und muss er auch ! damit verbunden ist die Frage, wie soll er denn weiter gehen?
Die Frage ist unabhängig davon zu stellen, ob der Streik letztlich erfolgreich sein wird oder scheitert bzw. ob die Studiengebühren von den € 50 „Verwaltungsgebühren“ bis hin zu den gebühren für Langzeitstudierende usw. durchgesetzt werden.

Sollte es dazu kommen, darf der Protest nicht enden, sondern dann muss seine Form geändert werden!

Prof. Dr. Gronemeyer rief in einem Vortrag am 11.11.03 in Gießen, den Protest ausdrücklich unterstützend, zu einer Radikalisierung, gleichzeitig aber auch zu einer Politisierung des Protestes auf, wenn er einen erfolg in welcher Form auch immer erreichen soll.

Damit ist, wenn man einmal das bunte Streik-Treiben aus der Vogelperspektive betrachtet, ein wesentliches Kernproblem angesprochen, das auch mit der öffentlichen Wahrnehmung des Protestes zusammenhängt:

Ein Streik impliziert „Verweigerung“ v.a. aber Leistungsverweigerung; das wird in der Leistungsgesellschaft nicht gern gesehen – daher rührt auch das vielerorts aufzufindende Unverständnis für viele Protestaktionen in der Öffentlichkeit, v.a. bei Menschen, die sich nicht in einer vergleichbaren Sitaution befinden und denen wohlmöglich ein angemessenes Problembewusstsein fehlt. Daran gilt es per Aufklärung zu arbeiten!
Die Forderungen, die wir aufstellen, sind bislang fast ausnahmslos (verständliche) Abwehrreaktionen auf die Spar-Politik der Regierung in Hessen. Auf Grund der Vielschichtigkeit des Problems der Studiengebühren möchte ich mich hier auf das Problem der sogannten „Langzeitstudierenden (LZS)“ beschränken: Wir geraten innerhalb dieser Situation unter einen Legitimationsdruck, der uns dazu zwingt, auszuweisen, warum viele so lange Zeit studieren. Darauf kann unterschiedlich reagiert werden: Mitunter führt der Legitimationszwang, gepaart mit den Forderungen nach einem gebührenfreien Studium, dazu, die Rahmenbedingungen des Studiums (mangelndes Personal, überfüllte Räume und Veranstaltungen, falsche Einschätzung der Regelstudienzeit vor dem Hintergrund dieser Probleme, usw.) für ein Langzeitstudium verantwortlich zu machen. Dies ist zwar nicht falsch und unbegründet, lässt sich jedoch in der Öffentlichkeit schlecht anbringen. Wir brauchen also etwas, das über die (sicherlich notwendige) Aufklärung der falschen, aber weit verbreiteten Ansicht, LZS kosteten den Steuerzahler auch mehr Geld hinaus geht.
Was man unter einer Politisierung des Protests verstehen kann setzt hier an: Auf vielen Plakaten und Transparenten fordern wir das Recht auf Bildung ein. Dies ist nicht nur zu fordern, sondern auch zu begründen. Dabei bietet es sich an, einmal die Perspektive zu wechseln und zu schauen, was die Gesellschaft von der Universität erwartet: Sie erwartet gut ausgebildete Fachkräfte, die ihre akademische, wissenschaftliche, Ausbildung in eine gute Praxis ummünzen. Eine gewisse Funktionalität muss man wohl jeder Berufsausbildung unterstellen, jedoch ist die akademische Ausbildung an der Universität ein Sonderfall. Hier treffen breites Angebot, breites Wissensspektrum über das Wissen der Welt und die Möglichkeit zur Spezialisierung zusammen. Wer also bsw. Erziehungswissenschaften studiert, sieht sich mit einem nahezu nicht aufarbeitbaren Komplex an Fragen und Tatsachen des Gegenstandes Erziehung konfontiert. Auch hier gibt es wieder unterschiedliche Modi der Bearbeitung. Zum einen das Akzeptieren der gegebenen Lehrmeinung und reproduzieren derselben bis zum Abschluss und dann die Umsetzung in der Praxis. „Und nun vergessen Sie mal alles, was Sie an der Uni gelernt haben“; so oder ähnlich klingt das, was von ReferendarInnen zu Beginn der Berufspraxis nicht selten als „Praxis-Schock“ beschreiben. Man kann hier die These vertreten, dass ein wie auch immer in Qualität oder Quantität geartetes Studium nie auf die gesellschaftliche Realität vorbereiten kann. Dagegen ließe sich aber anführen, dass wissenschaftlich Ausbildung zumindest versucht, mehr oder minder systematisch diese Realität zu beschreiben und auf diese vorzubereiten, wenn auch die praktische Dimension meist komplexer bleibt, als sie wissenschaftlich erfasst und analysiert werden kann. Wer nun für sich beschließt, soviel wie möglich von seinem zukünftigen Beruf in wissenschaftlicher Form zu erfassen, um eine möglichst adäquate Grundlage für die Berufspraxis zu erreichen, der handelt verantwortungsvoll und klagt gleichzeitig sein Recht auf Bildung ein. Jenseits von Funktionalitätserwartungen ermöglicht eine Erforschun eines Gegenstandsbereiches mit tieferer Berabeitung ein kritisches Potenzial, das daher rührt, dass letztlich durch Fragen an den Gegenstand prinzipiell immer wieder Antworten als auch neue Fragen enstehen, die in Wissenschaft und Praxis bearbeitet und beobachtet werden können, wobei Vergeliche zwischen bedien Dimensionen immer wieder möglich sind. Bildung ist ein Beobachtungsmedium welches ermöglicht gesellschaftiche Realität zu reflektieren. Dies stellt die Grundlage dafür, überhaupt immer wieder neue Fragen stellen zu können, was wiederum die Grenze zur Funktionalität von Ausbildungswissen darstellt.
Diese Dimension von Bildung muss in ein positives Licht gerückt werden, weil Reflexion und Kritik nicht kontraproduktiv sind, sondern ein erhebliches produktives Potenzial in sich bergen.
Es ließen sich ähnliche Beispiele finden; hier geht es um die Arbeit daran, wissenschaftliche Ausbildung auch jenseits von funktionalisierung positiv zu begründen und darum, ihre Produktivität herauszustellen, die sich allerdings nicht an Kriterien der Produktion/Produktivität messen lässt.
Vor dem Hintergrund des öffentlichen Bildungsdiskurses, in dem gerade Fragen der Effizienz, Effektivität und Optimierung von Leistung bei gleichzeitiger Verkürzung der (Aus-)Bildungszeiten in den Vordergrund gerückt werden, erscheint dies mehr als notwendig.
Geht man davon aus, dass hier unterschiedliche Diskurse zu einem Diskurs verschmelzen, so gilt es für die Beobachtung des Bildungsdiskurses Diferenzen anzulegen.

In die jeweilige Dimension wechseln oder abgrenzen…Abgrenzen bedeutet, aus dem Diskurs auszusteigen und das Feld den Entscheidungen der politik zu überlassen und sich auf bildung zurück zu ziehen. Doch kann die ökonomisch-politische Überformung des Bildungsdiskurses genau beobachtet und umgekehrt werden, indem geradezu Bildungspolitik als Thema herausgestellt wird. Das bedeutet mehr oder minder, dass der gegenwärtige Konflikt kein irgendwie bildungstheoretisch einzufangender ist, sondern der nur durch eine Politisierung der gegenwärtigen Problemfragen auch bezüglich der Universität und den Staus dessen was Bildung an der Universität ausmacht und leisten kann und soll aufgelöst werden kann.

Die zu diskutierenden Probleme:

1. Die Grundhaltung und Form des Protestes


2. Die Stringenz unserer Argumentationen


3. Der Status von Bildung


4. Die Öffenliche Meinung



(dt)

[via deep thought]

# Donnerstag, 13. November 2003, 23:08, von moe in Allgemeines

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deep thought kommentierte am Freitag, 14. November 2003, 13:34:
Um- bzw.Weiterschreiben...

Dieser Text ist ein Versuch einer Beschreibung dessen, was gerade passiert und gibt Verweise auf Argumentationen, wei sie momentan verbreitet sind. Hier könnten wir gemeinsam darüber nachdenken, wie man alternativ Ziele des Protestes auf einer politischen Basis fprmulieren kann.

Dekonstruktion und Neukonstruktion dieses Textes meint, ihn um-, weiter- oder neu zu schreiben...evtl. kann der Text dann in eine Form gebracht werden, ihn dann zu einem öffentlichen Aufruf umzuarbeiten, der dann möglichst viele Facetten des Protest-Potenzials auf den Punkt bringt.

Danke,

(dt)

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